i2030-Aktionstag: Austausch zur frühzeitigen Entwicklung zukünftiger i2030-Stationen in Berlin und Brandenburg

i2030-Aktionstag mit mit Berlins Verkehrssenatorin Bonde, Brandenburgs Infrastruk-turminister Genilke, DB-Konzernbevollmächtigen Kaczmarek und VBB-Bereichsleiter Dill, Foto: VBB

Austausch zur frühzeitigen Entwicklung zukünftiger i2030-Stationen in Berlin und Brandenburg

28.06.2024

In Kooperation mit dem Fachgebiet Bahnbetrieb und Infrastruktur der Technischen Universität Berlin fand der diesjährige i2030-Aktionstag statt. Im Mittelpunkt stand die kreative Gestaltung der Beispielstation Düppel-Kleinmachnow aus dem Ausbaukorridor Potsdamer Stammbahn+/S25 Süd. Ziel war es, die verschiedenen Entscheider aus der Region, der Verwaltung mit den i2030-Partnern sowie potenziellen Nutzern zusammenzubringen, um frühzeitig den Dialog zur Gestaltung der kommenden i2030-Bahnstationen zu fördern. Die Ergebnisse des Workshops wurde mit Berlins Verkehrssenatorin Bonde, Brandenburgs Infrastrukturminister Genilke, DB-Konzernbevollmächtigen Kaczmarek und VBB-Bereichsleiter Dill diskutiert und anschließend in einer Paneldiskussion ausgewertet.

Mit dem Projekt i2030 wird die Schieneninfrastruktur in der Hauptstadtregion in den kommenden Jahren ausgebaut. Mehr und pünktlichere Verbindungen sind das Ziel, damit Regionalzüge und S-Bahnen attraktiver werden und mehr Menschen auf die klimafreundliche Schiene umsteigen.

Im Projekt i2030 werden bis zu 100 Stationen neu- oder ausgebaut. Das ist für die beteiligten Kommunen eine Chance, die Stadt- und Regionalentwicklung voranzutreiben. Zur erfolgreichen Umsetzung und Enstehung durchgehender, komfortabler und nutzergerechter Beförderungsketten durch i2030 ist ein Zusammendenken mit anderen Maßnahmen unabdingbar. Bahnhöfen und Haltepunkten kommt so eine wichtige Rolle zu. Sie sollten

    • multimodal gedacht werden,
    • einladend, funktional und
    • klimagerecht sein

Jetzt ist die Zeit, die Maßnahmen vorzubereiten. Die ideale Station kann dabei je nach Interessenslage und den örtlichen Randbedingungen sehr unterschiedlich aussehen. Im Rahmen des i2030 Aktionstages standen vor allem die unterschiedlichen Optimierungsmöglichkeiten im Mittelpunkt, unter deren Berücksichtigung in drei Gruppen eine ideale Station entwickelt werden sollte. Allen drei Aufgabenstellungen war gemein, dass der Umstieg von anderen Verkehrsträgern gewährleistet werden muss und dass möglichst viele Menschen zum Einstieg in die Bahn bewegt werden. Der spezielle Fokus lag auf:

    • Gruppe 1: Fahrgastoptimierte Station mit maximaler Aufenthaltsqualität
    • Gruppe 2: Station mit fokussiert klimagerechter Gestaltung
    • Gruppe 3: Kosten- und aufwandoptimierte Stationsgestaltung

Mittlerweile haben sich eine Reihe von Maßnahmen zur Bahnhofsgestaltung etabliert, die sich u.a. in Aufwand, Kosten, Nutzen, Klimawirksamkeit und Umsetzungszeit unterscheiden und die den Gruppen als Auswahlmöglichkeit vorgegeben wurden. Zusätzlich musste jede Workshop-Gruppe mindestens zwei eigene innovative Maßnahmen für die zukünftige Station entwickeln. Im Gestaltungsprozess trafen die verschiedenen Sichtweisen der Entscheider aufeinander und die Herausforderungen des anstehenden Dialogs wurde deutlich.

Als Modell-Station wurde der zukünftige Haltepunkt Düppel-Kleinmachnow im i2030-Korridor Potsdamer Stammbahn+/S25 Süd gewählt, denn

    1. sie liegt genau auf der Landesgrenze Berlin/Brandenburg,
    2. sie hat Bezug zu Anbindung von ländlichem und städtischem Raum
    3. es gibt noch keine detaillierten Vorgaben.

In der abschließenden Paneldiskussion konnten Fragen erörtert und beantwortet werden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lösungsvorschlägen wurden herausgearbeitet und erste Ideen für die weitere Zusammenarbeit diskutiert. Der Dialog wird nach diesem Auftakt fortgeführt.

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin:

 „Wir alle stehen vor der großen Herausforderung, uns allen und damit auch den nach uns kommenden Generationen ein variantenreiches, zuverlässiges, sicheres, attraktives und für unsere Umwelt nachhaltiges Mobilitätsangebot zu ermöglichen. Bahnhöfe, in denen sich die Fahrgäste wohl und sicher fühlen, sind dabei ein nicht zu unterschätzender Beitrag und tragen mit dazu bei, dass immer mehr Menschen für sich selbst und von sich aus die Vorteile sehen und so selbstverständlich die guten Schienenverbindungen nutzen.“

Rainer Genilke, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg:

Um unsere ambitionierten Klimaschutzziele erreichen zu können, müssen wir den Schienenpersonennahverkehr weiter stärken: Dazu braucht es mehr Züge, pünktliche und dichte Taktverkehre auf guter Infrastruktur!  Die Verkehrswende findet auf der Schiene statt. Damit möglichst viele Menschen am Schienenpersonennahverkehr teilnehmen können und der Schienenverkehr noch mehr an Attraktivität gewinnt, ist eine moderne und barrierefreie Bahnhofsgestaltung erforderlich. Der Bahnhof soll aber nicht nur als Umsteigeort fungieren, sondern auch Aufenthaltsqualitäten bieten. Deshalb ist die Entwicklung von Bahnhofskonzepten für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes i2030 unabdingbar. Dabei sollten wir nicht nur den Bahnhof selbst betrachten. Es muss auch das Bahnhofsumfeld in die Gestaltungsprozesse integriert werden. Bahnhöfe müssen künftig als multimodale Mobilitätsknoten fungieren. Es freut mich, dass es den Bundesländern gelungen ist, in der letzten Änderung zum Bundesschienenwegeausbaugesetz den Bund für die Zukunft der Bahnhöfe in die Verantwortung zu nehmen.“ 

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern:

„Der Weg zu einer starken Schiene führt über leistungsfähige Bahnhöfe. Deshalb bilden barrierefreie Zugänge, bequeme Verknüpfungen mit Bus, Fahrrad oder Parkplätzen und moderne Ausstattungen die Basis für eine attraktive Bahn, die noch mehr Menschen zum Umstieg auf den klimafreundlichen ÖPNV überzeugt.“  

Thomas Dill, Bereichsleiter, Center für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB):

„Die Planungen im Projekt i2030 kommen voran. Heute und jetzt ist damit auch der ideale Zeitpunkt, den Dialog mit allen Beteiligten für die Stationen der Zukunft zu starten. Für die erfolgreiche Verkehrswende wollen wir Stationen schaffen, auf denen sich die Fahrgäste willkommen fühlen und die auf ihre individuellen Mobilitätsbedürfnisse ausgerichtet sind. Es freut mich sehr, dass wir am i2030-Aktionstag dafür die gesammelte Expertise zusammenbringen konnten. Im Austausch wurde deutlich, dass es für die Gestaltung gelungener Stationen mit ansprechenden Umfeldern in erster Linie engagierte Kommunen braucht, die den Dialog mit den Menschen vor Ort und den Fachkolleg*innen leiten. Der VBB steht als Mobilitätsdienstleister der Länder dabei als Berater und Vernetzer für die kommende Prozesse zur Verfügung.“

Prof. Dr. Birgit Milius, Leiterin des Fachgebiets Bahnbetrieb und Infrastruktur an der TU Berlin:

„Das Infrastrukturprojekt i2030 ist weit mehr als nur der Ausbau des Verkehrssystems. Es beinhaltet vielmehr die Chance, Verkehrs- und Stadtentwicklung mittel- und langfristig gemeinsam zu denken. Eine moderne, klimagerechte Anbindung von Stadtteilen und Ortschaften ist bereits heute, und wird zukünftig noch viel mehr, ein Standortvorteil werden. Daher unterstützen wir die Länder und den VBB sehr gerne bei der Vernetzung aller Akteure, um bereits jetzt den Ausbau der Verkehrsstationen zu diskutieren und zu planen, denn diese werden zu einem Nukleus des zukünftigen gemeinsamen Zusammenlebens in Stadt und Region werden.“

Für die Lokführerin oder Schienenbauer von morgen – Projekt i2030 sponsert Spielbox an Berliner Kita

v.r. Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. / Ute Bonde, Geschäftsführerin des VBB / Julia Voß, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz / Karin Kamitz, Bezirksvorstand VDEI e.V. / Olga Schnerr, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz vor der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB

Für die Lokführerin oder Schienenbauer von morgen – Projekt i2030 sponsert Spielbox an Berliner Kita

v.r. Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. / Ute Bonde, Geschäftsführerin des VBB / Julia Voß, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz / Karin Kamitz, Bezirksvorstand VDEI e.V. / Olga Schnerr, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz vor der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB
v.r. Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. / Ute Bonde, Geschäftsführerin des VBB / Julia Voß, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz / Karin Kamitz, Bezirksvorstand VDEI e.V. / Olga Schnerr, Kitaleitung FRÖBEL-Kindergarten Flipflopz vor der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB

Berlin, 14. Februar 2024

Frau Prof. Milius, Sie haben die Kitaboxen mit Spielzeug rund um das Thema Eisenbahn ins Leben gerufen. In Ihrem Alltag arbeiten Sie mit Studierenden der TU Berlin zusammen. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Projekt für Kitakindern zu starten?

Die Weichen, in welche Richtung sich Kinder und Jugendliche nach der Schule orientieren, werden schon sehr früh, häufig vor der Pubertät gelegt. Gerade der Mut, Technik verstehen zu wollen, und das Gefühl zu haben, dass man das auch kann, ist bei Kindern sehr ausgeprägt. Wir möchten mit den Boxen Kinder in den Kontakt mit dem System Bahn bringen, sie dafür begeistern, dass das etwas Spannendes und Cooles, manchmal auch Kompliziertes ist. Bahn soll Spaß machen. Und natürlich hoffen wir, dass ein bisschen der Begeisterung auch auf die Eltern, Großeltern und Freunde überschwappt.

Frau Bonde, der VBB als Partner im „Projekt i2030 – Mehr Schiene für Berlin und Brandenburg“ übergibt eine Box an eine Berliner Kita. Was war der Impuls die Initiative zu unterstützen?

Polizist, Tierärztin und Pilot sind die Top 3 Berufswünsche von Kitakindern. Warum nicht auch Lokführerin oder Schienenbauer? Die Eisenbahn ist kein Relikt aus (Ur-) Großelternzeiten, sondern topmodern, zukunftsweisend, klimaschützend und macht zudem Spaß. Je früher die Kinder ein gutes Gefühl zu Zügen und Schienen bekommen, desto eher werden sie künftige Fahrgäste – vielleicht sogar Mitarbeitende in der spannenden, innovativen Verkehrsbranche. Der VBB steht für öffentlichen Nahverkehr und engagiert sich im i2030-Projekt mit den Ländern Berlin und Brandenburg und der Deutschen Bahn für den Ausbau des Schienennetzes in Berlin und Brandenburg. So liegt es nahe, dass wir die Aktion sehr gern unterstützen. Und vielleicht bewirken wir damit ja auch ein bisschen Bahnbegeisterung.

Frau Voß, als Sie als Kitaleiterin angefragt wurden, haben Sie sofort zugesagt. Welche Gründe waren für Sie ausschlagegebend?

Ein Teil unserer Strategie bei FRÖBEL ist das Thema „nachhaltige Mobilität“ als Säule im Bereich der Bildung zur nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltigkeit ist für FRÖBEL besonders wichtig, weshalb wir unsere rund 5.500 Mitarbeitenden immer wieder ermutigen, das eigene Auto stehenzulassen. Seit dem Sommer 2023 haben alle Beschäftigten bundesweit die Möglichkeit, über eine Mobilitätszulage ein Fahrrad zu leasen und das „Deutschland-Ticket“ zu nutzen. Damit sind wir wichtige Vorbilder für die Kinder in unseren Einrichtungen. Gleichzeitig tragen wir unseren Teil zur nachhaltigen Mobilität bei und stärken der Umweltverbund: in der U-Bahn, der Tram oder auf dem Fahrrad.

v.l. Karin Kamitz, Bezirksvorstand VDEI e.V. / Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. / Ute Bonde, Geschäftsführerin des VBB bei der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB
v.l. Karin Kamitz, Bezirksvorstand VDEI e.V. / Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. / Ute Bonde, Geschäftsführerin des VBB bei der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB

Wenn man Kindern heute nach Verkehrsmittel der Zukunft fragt, kommen oft fliegende Autos oder interstellare Raumschiffe als Antwort. Warum ist die Eisenbahn aus Ihrer Sicht kein Relikt aus der Vergangenheit?

Prof. Birgit Milius: Die Bahn ist unglaublich energieffizient unterwegs, kann viele Menschen bei geringstem Raumanspruch transportieren. Gerade in Städten wie in Berlin wird es noch lange keine Alternative zum schienengebundenen Verkehr geben. Muss es auch nicht, denn das System verändert sich ständig, wird moderner, digitaler und noch mehr auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Die Bahn ist das Rückgrat eines integrierten Mobilitätsangebots, in Kombination mit Fahrrädern, Rollern, Bussen und auch Autos wird es möglich werden, sich schnell und bequem fortzubewegen.

Ute Bonde: Ich sehe derzeit bei den klimafreundlichen Verkehrsmitteln der Zukunft keine Alternative zur Bahn. Für die Bahnbranche sind heute Ökostrom und Wasserstoff die entscheidenden Energieträger. Unser Ziel ist es, dass ab 2037 keine Dieselloks im Verbundgebiet mehr unterwegs sind. Der klimafreundliche Nahverkehr ist ein wichtiger Schlüssel zur Verkehrswende und unsere Vision für die nahe Zukunft, damit unsere Kinder und folgende Generationen hier genauso gut leben können, wie wir heute.

Julia Voß: Ich erlebe seit vielen Jahren im Kindergarten, wie die Bahn den Alltag der Kinder prägt. Sie können Stationen benennen, sie möchten den Türknopf drücken, kaufen Tickets und schauen jeden Tag aufs Neue aus den Zugfenstern und beobachten die Welt. Die Bahn ist allgegenwärtig im Alltag eines Kindes. Insbesondere in einer Stadt wie Berlin sind Bahnen nicht wegzudenken und definitiv kein Relikt aus der Vergangenheit.

Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. bei der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB
Prof. Birgit Milius, Präsidentin des VDEI e.V. bei der Übergabe der Box an die Kitagruppe, Foto VBB

Pilotprojekte in Falkensee und Brieselang umgesetzt

i2030-Wetterschutzhäuschen in Falkensee, Foto VBB

Das Schienenausbauprojekt i2030 wird sichtbarer: Pilotprojekte in Falkensee und Brieselang umgesetzt

08.06.2023

Wetterschutzhäuschen an Bahnhöfen Falkensee und Brieselang aufgewertet • Weitere Maßnahmen an anderen i2030-Stationen in Vorbereitung

Am 8. Juni wurden die aufgewerteten Wetterschutzhäuschen im neuen i2030-Design entlang des i2030-Korridors Berlin-Spandau – Nauen präsentiert. Auf Basis dieses Pilotprojektes sollen weitere Maßnahmen folgen, die insbesondere für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität an Stationen mit i2030-Bezug sorgen und darüber hinaus die Vorfreude auf den kommenden Schienenausbau im Regional- und S-Bahnverkehr steigern sollen.

In den meisten der i2030-Projekte laufen weiterhin vertiefte Planungen. Erste Bautätigkeiten werden allerdings erst in einigen Jahren starten. Deshalb wollen die i2030-Partner Stationen in den Korridoren mit temporären Nutzungsangeboten und detaillierten Informationstafeln aufwerten und das Projekt gleichzeitig sichtbar machen. Von diesen Verbesserungen werden die Fahrgäste im Nahverkehr profitieren. Neben der kürzlich präsentierten Lok im i2030-Design wird die Sichtbarkeit des Projektes damit weiter erhöht.

Der Startschuss für die Bahnhofsaktionen fiel in Falkensee und Brieselang. Dort wurden nun von Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen entlang der Ausbaustrecke zwischen Berlin-Spandau und Nauen überholte und neu folierte Wetterschutzhäuser an den jeweiligen Bahnhöfen vorgestellt. An den Stationen informieren kurze Übersichten über das Gemeinschaftsprojekt i2030 und das Ausbauvorhaben vor Ort mit zusätzlichen Gleisen für den Regional- und Fernverkehr sowie die möglichen S-Bahn-Verlängerung über Spandau hinaus.

Weitere Projekte der i2030-Aktion an den Stationen werden individuell im Austausch mit den Kommunen abgestimmt. Für die nahe Zukunft ist unter anderem die Verschönerung und Aufwertung einer Personenunterführung geplant. Finanziert werden die Maßnahmen zum Teil aus Projektgeldern und der Beteiligung der Kommunen. In das Pilotprojekt in Falkensee und Brieselang sind auch Gelder aus der CEF-Förderung, dem zentralen Förderinstrument der EU für den Ausbau von hochleistungsfähiger Infrastruktur in Europa, eingeflossen.   

i2030-Aktionstag: „Ich will Zu(g)kunft“ Mobilitätswende in Berlin und Brandenburg

Senatorin Schreiner, Minister Beermann, VBB-Geschäftsfüherin Bonde, DB Regionalleiter Ost Herr Armbruster, DLR-Bahnforscher Herr Grippenkoven zu Gast beim i2030-Aktionstag, Foto VBB

i2030-Aktionstag: „Ich will Zu(g)kunft“ Mobilitätswende in Berlin und Brandenburg – Vision und Realität im Schüler*innen-Check

26.05.2023

  • Brandenburgs Infrastrukturminister Beermann und Berlins Verkehrssenatorin Schreiner im Gespräch mit den Fahrgästen der Zukunft
  • Verkehrsexpert*innen von VBB, DB und DLR diskutieren über Visionen und Wünsche junger Menschen zur Mobilitätswende

Schüler*innen der 6. bis 10. Klasse aus Berlin und Brandenburg und das Team des Infrastrukturprojektes i2030 haben bei einem gemeinsamen Aktionstag im Deutschen Technikmuseum Berlin Ideen und Visionen für die Mobilitätswende entwickelt und mit einem selbst gebauten „Zug der Zukunft“ visualisiert. Im Anschluss diskutierten Berlins Verkehrssenatorin Dr. Manja Schreiner, Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann, VBB-Geschäftsführerin Ute Bonde, Ralf Armbruster, Leiter DB Netz AG Region Ost und Dr. Jan Grippenkoven, Abteilungsleiter Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Wünsche und gangbare Wege dahin.

Wie soll der Verkehr der Zukunft aussehen? Was braucht ein guter Nahverkehr? Was können wir gemeinsam tun, damit noch mehr Menschen umweltfreundlich mobil sind? Mit diesen und anderen Fragen zur Mobilität beschäftigten sich 35 Schüler*innen aus Berlin und Brandenburg vom Verein „DENK MAL WERTE e.V“ gemeinsam mit den Partnern des Projektes „i2030 – Mehr Schiene für Berlin und Brandenburg“. Im Dialog gestalteten die Kinder und Jugendlichen einen „Zug der Zukunft“ mit ihren Umsetzungsideen. Im Anschluss ging es in einen fruchtbaren und konstruktiven Austausch mit den politischen Entscheider*innen und Verkehrsexpert*innen über Machbarkeit und Realisierung der Wünsche.

Berlins Verkehrssenatorin Dr. Manja Schreiner: „Es ist richtig erfrischend, mit Kindern und Jugendlichen über die künftigen Verkehrswege und den Schienenausbau zu sprechen. Dabei ist es für uns wichtig, sich schon heute mit den Fahrgästen von morgen auszutauschen und ihre Ideen und Hinweise mitzunehmen. Mich freut es besonders, wie die jungen Leute die Begeisterung für einen verlässlichen und gut ausgebauten Personennahverkehr in unserer Hauptstadtregion teilen. Nur im Miteinander kommen wir bei unseren Ausbauprojekten voran – im Miteinander der Regionen und auch im Miteinander der Generationen.“

Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann: „Der heutige Tag hat uns eindrücklich gezeigt, wofür wir die Verkehrswende heute voranbringen: für die Erwachsenen von morgen. Wir wollen mit ihnen gemeinsam eine klimagerechte Zukunft gestalten. Ich finde es bemerkenswert, wenn sich junge Menschen so motiviert damit beschäftigen, wie unsere Mobilität künftig aussehen kann. Sie haben uns mit ihren kreativen Ideen gezeigt, dass man dafür auch mal ‚out-of-the-box‘ denken und über den Tellerrand schauen muss.“ 

VBB-Geschäftsführerin Ute Bonde: „Der Austausch über die Ideen und Vorstellungen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist mir ganz wichtig und hat zudem auch viel Spaß gemacht. Ich freue mich immer wieder über das große Engagement, das viele Kinder und Jugendliche bei allen Themen rund um die Mobilitätwende einbringen. Da wurden wirklich tolle und ernstzunehmende Ideen zusammengetragen, die inspirieren und von denen wir einige auf jeden Fall mitnehmen können.“ 

Leiter DB Netz AG Region Ost Ralf Armbruster: „So viel Begeisterung für die Bahn und Gestaltungswille zu erleben, macht richtig Freude. Für diese Schülerinnen und Schüler hat die Schiene eine große Zukunft, nicht zuletzt, weil der Klimaschutz eines ihrer Kernanliegen ist. Uns als Unternehmen macht das zudem zuversichtlich, dass wir auch künftig viele junge Menschen für einen Berufseinstieg bei der Bahn begeistern können.“ 

DLR-Abteilungsleiter „Verkehrsmittel“ Dr. Jan Grippenkoven: „Der Schienenverkehr spielt eine ganz wichtige Rolle für eine menschenfreundliche und nachhaltige Mobilität der Zukunft. Wir beschäftigen uns in der Forschung am DLR intensiv mit Transformationsszenarien des Verkehrs. Mich interessiert dabei insbesondere, wie Züge so attraktiv gestaltet werden können, dass eine möglichst breite Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedarfen und Anforderungen sie gerne nutzt. Vor diesem Hintergrund war es bereichernd, die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler auf dieses Thema kennenzulernen.“ 

Vorstand „DENK MAL WERTE e.V.“ Sascha Grammelsdorff: „Sich klima- und umweltfreundlich, aber auch schnell und komfortabel fortzubewegen ist der Wunsch vieler junger Menschen. Wir als Verein „DENK MAL WERTE e.V.“ haben die Expert*innen der Zukunft interaktiv befragt und ein toller „Zug der Zukunft“ ist entstanden. Die jungen Menschen machen mit ihrem Recht auf Zukunft mit diesem sehr deutlich kenntlich, was sie sich von den politischen Agierenden wünschen und erwarten.“

Jugend gestaltet Verkehrswende – Das i2030-Planspiel

i2030-Planspiel - Jugend gestaltet Verkehrswende

Das i2030-Planspiel – Jugend gestaltet Verkehrswende

Schnelle Verbindungen,
pünktliche Züge,
mehr Platz in der Bahn:


Attraktiveres Bahnangebot

Moderne Mobilität geht uns alle an: Um täglich von A nach B zu kommen, als Teil der Verkehrswende und für den Klimaschutz.

Dabei soll die Mobilität von morgen möglichst effizient, schnell, umweltfreundlich, kostengünstig, barrierefrei und sicher sein.

Doch wer trifft die Entscheidungen in den Projekten? Wie kann die Infrastruktur für den Verkehr von morgen gestaltet werden? Und welche Faktoren und Interessen sollen bei der Entscheidungsfindung mit einbezogen werden, wenn unterschiedliche Interessen und Erwartungen miteinander in Konflikt stehen?

Das i2030-Planspiel simuliert so einen politischen Entscheidungsprozess zur Variantenauswahl in einem Infrastrukturprojekt:

    • Anhand eines fiktiven Beispiels sollen Maßnahmen im Rahmen eines Schienenausbaus und der damit einhergehenden Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes geplant werden.
    • Die Schüler*innen übernehmen die Rollen von Verkehrsplaner*innen, Politiker*innen und Anwohner*innen, erarbeiten Standpunkte und diskutieren diese in einem politischen Verhandlungsprozess.
    • Am Ende müssen im Rahmen des finanziellen und zeitlichen Budgets Entscheidungen getroffen werden.

Die Einigung auf eine Planungsvarianten funktioniert, wenn Kompromisse gefunden werden. Durch diesen spielerischen Ansatz können sie die Komplexität der Planung und Entscheidungsfindung in der Politik besser nachvollziehen.

Die Rahmenbedingungen für das Spiel:

    • Gruppengröße 15-25 Schüler*innen ab Klassenstufe 10 in den Fächern Deutsch, Politische Bildung, Geografie
    • Vorbereitungsmaterial werden in analoger und digitaler Ausführung zur Verfügung gestellt:  Ablaufplan, Hintergrundmaterialien, Rollenbeschreibungen, Aktionskarten
    • Vorbereitungsphase: 1-2 Schulstunden
    • Durchführung:  3,5 Zeitstunden
    • Begleitung von zwei Spielleitern
    • Optional ist eine Auswertung mit Projektplanern und regionaler Presse möglich
    • die Teilnahme ist kostenlos

Wir wollen an weiteren Schulen in Berlin und Brandenburg das i2030-Planspiel durchführen. Ob Lehrer*in, Elternteil oder Schüler*in – sprechen Sie uns bei Interesse an unter i2030@vbb.de oder 030-25 41 41 35

VBB-Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum

Sonderausstellung im Technikmuseum zur Verkehrswende

„Zug zur Zukunft – Wie geht Verkehrswende?“ VBB-Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum

Alle reden über die Verkehrswende, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) setzt sie im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg um. Um den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor zu senken, müssen sehr viel mehr Menschen vom eigenen Auto auf den klimafreundlichen öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Dazu braucht es mehr Angebote, bessere Leistung, mehr Komfort und auch klimafreundliche Technologien für neue Züge, die ohne Dieselkraftstoffe auskommen. Grundlage aller Verbesserungen für die Fahrgäste ist zudem der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur. Besonders mit dem groß angelegten Schienenausbauprojekt i2030 wollen Berlin und Brandenburg sowie Deutsche Bahn und VBB die Verkehrswende in der Hauptstadtregion beschleunigen. Die Sonderausstellung im Deutschen Technikmuseum in Berlin (Eingang Ladestraße) bietet den Besucher*innen einen anschaulichen Blick in die laufenden Prozesse.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die deutschen ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen bis 2030 um 55 % gegenüber 1990 zu mindern. Handeln ist also gefragt, wenn es um das Thema Verkehrswende geht. Der VBB arbeitet mit seinen Partnern hinter den Kulissen an vielen Stellen daran, den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor zu senken, sei es beim Einsatz von Nahverkehrszügen mit alternativen Antrieben oder beim Ausbau des Schienennetzes der Hauptstadtregion. Das Deutsche Technikmuseum in Berlin-Kreuzberg hat zusammen mit dem VBB einen Ausstellungsort geschaffen, der einen Teil der laufenden Bestrebungen für die Öffentlichkeit erlebbar macht. Den Besucher*innen wird anhand praxisnaher Beispiele vermittelt, dass jede Fahrt im öffentlichen Nachverkehr einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Vier Themeninseln geben einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen:

  1. Zug zur Zukunft dient als Einleitung in die Thematik. In Übersichten werden die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung und die regionalen Pläne für die Hauptstadtregion erläutert und wie sie unter anderem mit Hilfe des Infrastrukturprojekts i2030 umgesetzt werden.
  1. Berlin-Spandau – Nauen ist eins der größten i2030-Teilprojekte und zeigt, dass der Ausbau der Schieneninfrastruktur die Grundvoraussetzung für mehr Angebot auf der Schiene ist. Mit mehr Zügen in der Stunde, einem stabileren Fahrplan und zusätzlichen Stationen können die an der Strecke liegenden Städte, Gemeinden und der Bezirk Spandau zukünftig noch besser an das Schienennetz angebunden werden. Die Planungen werden durch die EU kofinanziert.
  1. Die historische Siemensbahn gehört zu den regionalen Schienenstrecken, die in den kommenden Jahren reaktiviert werden. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der seit 1980 stillgelegten Strecke werden in der Ausstellung beleuchtet und wie es gelingt, dass bis zum Ende des Jahrzehntes wieder S-Bahnen zum neu wachsenden Ortsteil Siemensstadt Square fahren.
  1. Alternative Antriebe für Züge stellen wichtige Brückentechnologien dar, um noch nicht elektrifizierte Strecken vom fossilen Diesel unabhängig zu machen. Die neuen Technologien für Batterietriebzüge und Wasserstofftriebzüge werden im Museum vorgestellt. Sie sollen dabei helfen, bis 2037 einen kompletten Umstieg auf umweltfreundliche Antriebsarten auf der Schiene in Berlin und Brandenburg zu ermöglichen.

Zugang und Kosten

Die Sonderausstellung kann innerhalb der geltenden Öffnungszeiten des Deutschen Technikmuseums von Dienstag bis Freitag: 9 – 17:30 Uhr und Samstag, Sonntag & Feiertage: 10 – 18 Uhr voraussichtlich bis Ende Mai 2023 besucht werden. Die Eintrittskarte für 8 Euro und ermäßigt 4 Euro gilt am selben Tag für das gesamte Museum und das Science Center Spectrum (Online-Ticketing: www.technikmuseum.berlin/tickets).

Deutsches Technikmuseum
Trebbiner Straße 9

10963 Berlin
Achtung: Die Ausstellung ist im Museumsbereich Ladestraße zu sehen (Eingang Ladestraße, Zugang über Möckernstr. 26)

Weitere Infos: www.technikmuseum.berlin

Schnelle Verbindungen,
pünktliche Züge,
mehr Platz in der Bahn:


Attraktiveres Bahnangebot

Gastbeitrag im Magazin zu 100 (Groß)-Berlin

Magazin-100-Jahre-Großberlin

Berlin-Brandenburg: 7-Punkte-Plan für den Schienenverkehr im 21. Jahrhundert

Gastbeitrag von Susanne Henckel, seit 2014 Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

Ihr Text ist erstmals erschienen in „BB 2070 – Magazin für Städtebau und urbanes Leben“, das der Architekten- und Ingenieursverein zu Berlin-Brandenburg anlässlich seines Zukunftsprojekts „Unvollendete Metropole – 100 Jahre Städtebau für Großberlin“ herausgibt. Die Ausstellung des Projekts ist noch bis 3. Januar im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, zu sehen.

Einige können sich bestimmt noch erinnern: Zur Jahrtausendwende sagten alle Prognosen für die Hauptstadtregion sinkende Bevölkerungszahlen voraus. Berlin war noch nicht sexy und wer Arbeit suchte, zog besser in andere Bundesländer. Brandenburgs Städte schrumpften und auch in Berlin prägten oftmals leerstehende Häuser das Straßenbild. Im Zuge dessen wurden einzelne Bahnhöfe stillgelegt und der Regionalverkehr teilweise ausgedünnt. 

Zwei Jahrzehnte später zeigt sich ein völlig anderes Bild. In Brandenburg schießen Wohnsiedlungen und wirtschaftskräftige Gewerbegebiete aus dem Boden. Wer in Berlin eine Wohnung sucht, konkurriert mit vielen Mitbewerbern. Im Jahr 2018 waren in der Hauptstadtregion täglich 4,22 Millionen Menschen mit dem ÖPNV unterwegs. Im Vergleich zu 2008 wuchs die Zahl der Pendler zwischen Berlin und Brandenburg um 24 Prozent. Selbst der Corona-Lockdown sorgte nur temporär für eine sinkende Nachfrage und ziemlich leere Züge.

Aktuell flacht sich das stetige Bevölkerungswachstum in Berlin etwas ab und steigt dafür in einigen Landkreisen Brandenburgs stärker. Diese Entwicklungen haben die Verkehrsplaner im Blick: Die Nahverkehrspläne der Länder versuchen, die Zukunft abzubilden und geeignete Maßnahmenpakete vorzulegen. Wie sich die Dimensionen entwickeln werden, kann heute verständlicherweise niemand konkret und im Detail wissen. So sind im Zuge von Corona durchaus Änderungen beim Pendlerverhalten möglich. Viele Firmen erkennen, dass Homeoffice funktioniert und ein Teil der Arbeitnehmer wird durch den digitalen Umbau auch langfristig teilweise von zu Hause arbeiten. Die Wahl des Wohnsitzes wird damit auch flexibler. Schnelle und attraktive Schienenverbindungen werden aber in jedem Fall gebraucht.

Die Länder Berlin und Brandenburg, die den Verkehr bestellen, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der den Prozess plant und überwacht, die Deutsche Bahn als größter Infrastrukturbetreiber und 37 weitere Verkehrsunternehmen sorgen schon jetzt dafür, dass vor allem der ÖPNV die Menschen in der Hauptstadtregion in den kommenden Jahren in Bewegung hält. Wir bauen dabei auf sieben wesentliche Faktoren, mit denen wir die Zukunft planbarer machen wollen. 

    1. Verkehr und Wohnraum zusammen denken

Der Gedanke dahinter: Wo es gute Verkehrsanbindungen gibt, allen voran der ÖPNV, da wollen die Menschen auch leben und arbeiten. Der gemeinsame „Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg“ (LEP HR) sieht ein gesteuertes Wachstum entlang der Achsen des sogenannten Siedlungssterns vor. Er deckt sich größtenteils mit den bestehenden Hauptverkehrskorridoren, die Schienenachsen gehen sternförmig vom Zentrum Berlins aus. Entlang dieser Achsen sollen auch Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe ausgewiesen werden, die sich mit Freiräumen und Kulturlandschaften abwechseln. Darüber hinaus verfolgt der Plan das Konzept des „Sprungs in die zweite Reihe“: Orte, die bis zu einer Stunde Fahrzeit von Berlin entfernt sind, werden in den Fokus gerückt. Auch soll eine funktionierende überregionale und grenzüberschreitende Anbindung zu den Wachstumsregionen angrenzender Bundesländer sowie Polen geschaffen werden.

    1. Zukunftssicher planen

Charlottenburg, Neukölln oder Köpenick gehören erst seit hundert Jahren zu Berlin. Davor waren sie eigenständige Stadtgemeinden. Der Siegeszug der Dampflok – die erste in Preußen fuhr von 1838 an zwischen Potsdam und Zehlendorf – legte den Grundstein für die Stadt- und Einheitsgemeinde Groß-Berlin. In den Anfangsjahren fuhren die Züge noch über lange Strecken an Feldern und Wäldern vorbei. Niemand konnte beim Bau der Schienenstrecken damals ahnen, dass sich die Stadt Berlin soweit ausdehnen würde. Und der damaligen Entscheidung lagen keine Prognosen oder Nahverkehrspläne zu Grunde. Heute neue Strecken zu planen, erfordert dagegen viele Abstimmungen zwischen Politik, Verwaltungen und betroffenen Bürgern sowie komplizierte Vorausplanungen etwa zu Bahnübergängen, Lärmschutzbestimmungen oder zur Bebauung an den Gleisen. Zukünftig wird dieser Prozess nicht leichter und – davon ist auszugehen – das Wachstum der Hauptstadtregion nicht weniger. Deswegen müssen jetzt die Zukunftsentscheidungen für den Neu- und Ausbau im Schienennetz gefällt werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Strecke zwischen Berlin-Spandau und Nauen. Aktuell teilen sich dort Regio­nal-, Fern- und Güterverkehr zwei Gleise. Mit dem i2030-Projekt „Mehr Schiene für Berlin & Brandenburg“ werden sechs Gleise geplant, zwei Gleise davon für eine S-Bahnverlängerung über Berlin-Spandau hinaus bis nach Falkensee. Heutzutage ist das schon eine Herausforderung, aber in zwanzig Jahren wird eine Erweiterung in dieser Größenordnung nahezu unmöglich sein, auch weil dann die letzten verfügbaren Flächen, vor allem auf dem Berliner Gebiet, bebaut sein dürften. Deswegen wollen wir schon heute vorausschauend denken, verfügbare Flächen nutzen und so die Bahn frei für den Schienenverkehr der Zukunft machen.

    1. Auf die Verkehrs­wende bauen

Der Klimawandel erlaubt keinen Aufschub. Deswegen initiieren Politik und Gesellschaft auf allen Ebenen Programme für eine umweltfreundliche und nachhaltige Zukunft. Die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich sollen bis 2030 um vierzig Prozent gegenüber 2018 gesenkt werden. Dabei kann beim sogenannten Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr) vorrangig die umweltfreundliche Schiene einen immensen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Diese gewünschte Verlagerung passiert längst, wie die stetig steigenden Fahrgastzahlen in Berlin und Brandenburg beweisen. Schon heute ist die zumeist elektrifizierte Schiene das emissionsarme Massentransportmittel in der Region. Für die Strecken ohne Fahrdraht müssen Pilotprojekte neue Wege beschreiten: Batteriezüge werden in Ostbrandenburg zum Einsatz kommen, und Wasserstoffzüge mit Brennstoffzellen auf dem Dach könnten auf der Heidekrautbahn getestet werden, unter anderem auf der reaktivierten Stammstrecke zwischen Wilhelmsruh bis Groß Schönebeck. Diese Projekte gilt es entschieden finanziell zu fördern und politisch zu unterstützen, damit die Verkehrs- und Klimawende schneller in die Umsetzung kommt.

    1. Finanzierung sichern

Der Ausbau der Schiene, dichtere Takte, die Modernisierung von Infrastruktur und Fahrzeugen, der Einsatz alternativer Antriebe, die Einführung elektronischer Tarife und gerechte Löhne in der Verkehrsbranche: Das sind die Grundlagen für attraktive Mobilität. Das gibt es nicht zum Nulltarif. Allein die Kosten für die Planung und Umsetzung der Projekte im Rahmen von i2030 werden auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzt. Eine durchgehend gesicherte Finanzierung kann die Umsetzung so großer Projekte insgesamt beschleunigen, wie die Errichtung des Elektroautomobilwerks von Tesla in Brandenburg gerade eindrucksvoll beweist. Die Modernisierung auf der Schiene kann jedoch kein Bundesland allein stemmen. Europäische Union, Bund und Länder stocken jährlich ihre Finanzierungstöpfe für das ÖPNV-System auf, auch um den Investitionsstau der vergangenen Jahrzehnte abzufedern. Zusätzlich braucht es einen offenen Diskurs in der Gesellschaft über alternative Finanzierungswege. Der ÖPNV finanziert sich heute je zur Hälfte durch Ticketeinnahmen und Zuschüssen aus Steuermitteln. Eine dritte Finanzierungssäule werden wir perspektivisch brauchen. Um die Ticketpreise im ÖPNV fair zu halten, das Mobilitätsangebot auszubauen und die Verkehrswende insgesamt zu finanzieren, müssen wir Alternativen wie City-Maut, Parkraumbewirtschaftung oder Bürgerticket diskutieren.

    1. Auf Qualität setzen

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, saubere Busse und Bahnen: Die Qualitätskriterien des ÖPNV entscheiden darüber, ob wir gerne und häufig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Wenn die grundlegenden Qualitätsstandards passen, ist ein Großteil der Fahrgäste bereit, einen entsprechenden Beitrag zu zahlen und auch einmal eine begrenzte Bauzeit auf der Heimstrecke auszuhalten. Damit Qualitätsstandards erreicht und gehalten werden, braucht es geschultes Personal, verfügbare und funktionierende Fahrzeuge, eine leistungsfähige Infrastruktur und einfache Umsteigebeziehungen. Denn wer heute die attraktiven Angebote von Bahn und Bus für sich und seine Angehörigen entdeckt, wird sie auch in Zukunft nutzen.

    1. Die Digitalisierung nutzen

Auch der ÖPNV wird sich im Zuge der Digitalisierung weiter wandeln. In der Steuerung von Fahrgastströmen, vernetzten Verkehren und digitalen Tarifen stecken eine Menge Potenzial, das wir als Verkehrsverbund nutzen wollen. Mit neuen Apps und Sharing-Angeboten für die „letzte Meile“ können Fahrgäste ihre Fahrwege immer flexibler gestalten. Das eigene Auto betrachten vor allem im städtischen Umfeld immer mehr Menschen als überflüssig. Mit Services wie dem barrierefreien Routing oder dem individuell buch­baren Begleitservice können ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen den ÖPNV besser nutzen. Intelligent vernetzte Züge und ein digitalisiertes Controlling werden im Netz Elbe-Spree, das die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern miteinander verbindet, ab 2022 eingeführt. Die Fahrzeuge melden dann beispielsweise digital, wenn WCs kaputt oder Türen gestört sind. Während die Planungsphasen in der Verkehrs­branche komplex bleiben und die Ausschreibungszyklen lang sind, können auf dem Feld der Digitalisierung schnelle und auch langfristige Erfolge erreicht werden.

    1. Kräfte bündeln

Die historische Siemensbahn wurde innerhalb von zwei Jahren zwischen 1927 und 1929 errichtet. Die Zeiten, in denen eine Institution wie Siemens allein ein Schienenprojekt umsetzen konnte, sind längst vorbei. Durch mehrstufige Beteiligungs- und Genehmigungsverfahren auf diversen Ebenen können Großprojekte heute schnell ins Stocken geraten. Nur mit der Bündelung von Kompetenzen vieler Entscheidungsträger und größtmöglicher Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit können in überschaubaren Zeiträumen neue Fertigstellungstermine gefeiert werden. Im Infrastrukturprojekt i2030 arbeiten Berlin und Brandenburg zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Ausbau eben dieser Schieneninfrastruktur in der Region. Das ist einmalig in Deutschland. Im Lenkungskreis, dem obersten Gremium, sitzen zusätzlich Entscheider des Eisenbahn-Bundesamtes sowie Vertreter von Bezirken und Landkreisen mit am Tisch und bestimmen die Entwicklung in den Projekten mit. Konkrete Zielvarianten für die acht Korridore und die 35 Infrastrukturmaßnahmen bei der Berliner S-Bahn sind inzwischen abgestimmt und die vertieften Planungen werden angestoßen. i2030 und der gemeinsame Wille, Ausbauprojekte voranzutreiben, finden nun auch in anderen Bundesländern Nachahmer.

Wie vor 100 Jahren müssen auch heute mutige, zukunftsgerichtete Entscheidungen getroffen werden, um die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg in Bezug auf Wohnen und Verkehr lebenswert zu gestalten. Es gilt, über die Zeit einer Legislaturperiode hinauszuschauen und heute die Grundlagen für das Verkehrsnetz der Zukunft zu legen. Wir brauchen ein großzügig geplantes, umweltgerechtes und flexibles Netz, das zukünftige Generationen für ihre Bedürfnisse anpassen können. Unser Projekt i2030 hat genau das im Blick und wird in den nächsten Jahren die Schieneninfra­struktur bereitstellen, die „Groß-Berlin“ im 21. Jahrhundert benötigt.

Schnelle Verbindungen,
pünktliche Züge,
mehr Platz in der Bahn:


Attraktiveres Bahnangebot

Die Entstehung des i2030-imagefilms

Aufnahmen für den Imagefilm auf dem Bahnhof Friedrichstraße

Die Entstehung des i2030-Imagefilms

Aufnahmen für den Imagefilm auf dem Bahnhof Friedrichstraße
Aufnahmen für den Imagefilm auf dem Bahnhof Friedrichstraße

13. Oktober 2020 | Verkehrsverbund Berlin Brandenburg

Unser Team arbeitet jeden Tag konzentriert an den Fortschritten in den i2030-Teilprojekten. Für uns ist i2030 ein Schlüsselprojekt für einen zukunftsfähigen Nahverkehr, eine lebenswerte Hauptstadtregion und eine umweltschonende Mobilität.

„Aber wie können wir diese Botschaften den vielen täglichen Pendler*innen und Fahrgästen vermitteln?“ Diese Frage stellte sich unsere Arbeitsgruppe für die Außenkommunikation, denn wir wollten uns bei der Antwort nicht in Details aus Planungsherausforderungen, Nahverkehrsplänen und Fahrplandaten verlieren. Der nun veröffentlichte Imagefilm bringt die Ziele und die Arbeit hinter i2030 in knapp drei Minuten auf den Punkt.

Getreu dem Motto, wenige Bilder erzählen mehr als tausend Worte, fanden im Juni 2020 die Aufnahmen für den Film statt. Die Deutsche Bahn gab uns trotz der erschwerten Corona Bedingungen eine Drehgenehmigung, wofür wir sehr dankbar sind. Im Frühjahr waren die Bahnsteige am Alexanderplatz und in Fürstenwalde noch ziemlich leer, was zumindest das Drehen erleichterte. Komparsen stellten typische Situationen von Pendler*innen, Ausflüglern und anderen Fahrgästen nach. Fragen zu i2030 wurden in den Drehpausen gern beantwortet. Weitere Aufnahmen stammen von einem Fotoshooting auf markanten Bahnhöfen in der Region und von fotobegeisterten Kolleg*innen. In die i2030-Projektkarte kam Bewegung, als unser Grafiker sie in 3D animierte.

Drei Schnittfassungen später feierte der Imagefilm in der Ausstellung „Unvollendete Metropole – 100 Jahre Städtebau für Groß- Berlin“ am 30. September 2020 seine Premiere. Wir freuen uns, wenn sich möglichst viele Besucher*innen die drei Minuten Zeit nehmen und durch den Film ein kleiner Funke der Begeisterung für die Schienenprojekte überschlägt.
Film ab.