4500 Meter Bohrarbeiten für die Potsdamer Stammbahn

Neben der Erkundungsfläche am Bahnhof Schöneberg hält ein Zug der Berliner S-Bahn, Foto: VBB GmbH/Fülling

4500 Meter Bohrarbeiten für die Potsdamer Stammbahn

Thomas Fülling, 26.08.2026

Wer mit der S-Bahn auf dem südlichen Berliner Innenring unterwegs ist, wird sie vielleicht schon entdeckt haben: mal kleinere, mal größere Bohrgeräte gleich neben den Gleisen. Auch wenn auf den Fahrzeugen das Logo einer Berliner Brunnenbaufirma prangt, die Tiefbau-Spezialisten sind nicht auf der Suche nach neuen Wasserquellen. Auch nach dem begehrten schwarzen Gold wird nicht gefahndet. Die Bohrarbeiten sind vielmehr Teil eines Vorhabens im Infrastrukturprojekt „i2030 – Mehr Schiene für Berlin und Brandenburg“, das die beiden Bundesländer gemeinsam mit der Deutschen Bahn Stück für Stück vorantreiben.

Eines der großen und aufwendigsten Vorhaben von i2030 ist dabei die Reaktivierung der „Potsdamer Stammbahn“. Mit der Wiederinbetriebnahme der seit dem Zweiten Weltkrieg überwiegend brach liegenden historischen Schienenverbindung sollen dringend benötigte zusätzliche Gleis-Kapazitäten zwischen Potsdam und Berlin sowie neue Bahn-Haltepunkte zwischen Berlin und der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam geschaffen werden. Auf Drängen der Länder Berlin und Brandenburg ist die Potsdamer Stammbahn im aktuellen Gutachterentwurf für den Zielplan des „Deutschlandtaktes“ enthalten, mit dem das Reisen mit der Bahn noch attraktiver werden soll.

Die ersten vertiefenden Planungen bei diesem i2030-Projekt laufen. „Die Bohrungen sind Teil der Baugrunduntersuchungen, die für die Vorplanung des Streckenbaus benötigt werden“, erläutert Leona-Rosalia Dühmke, Projektleiterin der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGO AG. Die Vorplanung ist die zweite von insgesamt neun sogenannten Leistungsphasen, die die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vorsieht. „In dieser Phase werden von den Planern noch unterschiedliche Varianten untersucht, mit denen das angestrebte Ziel am Ende erreicht werden kann“, sagt Leona-Rosalia Dühmke. Baugrunduntersuchungen sind zum Beispiel notwendig, um genaue Aussagen zur Beschaffenheit des Bodens treffen zu können, die wiederum den Planern die richtige Wahl der Gründung für notwendige Brücken oder Bahnsteige erleichtern. Am Ende der Vorplanung steht die Empfehlung einer Vorzugsvariante, die in der dann folgenden Entwurfs- und Genehmigungsplanung weiterverfolgt und detailliert ausgearbeitet wird.

Was für Außenstehende simpel klingt, ist für alle Beteiligten eine aufwendige Sache. So muss etwa auf der 23 Kilometer langen „Potsdamer Stammbahn“ zwischen Griebnitzsee, Zehlendorf und dem Nord-Süd-Fernbahntunnel (Gleisdreieckpark) etwa alle 100 Meter eine Bohrung ausgeführt werden. In dem im November 2025 gestarteten Erkundungsprogramm stehen laut DB InfraGO mehr als 200 Rammkernsondierungen mit einer Tiefe von acht bis zwölf Metern, etwa 85 Großbohrungen, die bis zu 25 Meter tief in Boden reichen sowie bis zu 235 Bodendichtemessungen in einer Tiefe von acht bis 25 Metern an.

Bei den Großbohrungen kommt schwere Technik zum Einsatz. „16 Tonnen wiegt so ein Raupenbohrgerät, das wir hier einsetzen“, sagt Christian Kühn, Betriebsleiter der Engelmann Brunnenbau GmbH. Die Köpenicker Traditionsfirma mit ihren 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist schon seit vielen Jahren für die Deutsche Bahn tätig. Bei den Bodenerkundungen für die Reaktivierung der „Potsdamer Stammbahn“ hat sie zwei der drei ausgeschriebenen Lose gewonnen. Teil des Auftrags ist auch die sogenannte Kampfmittelsondierung. Dabei geht es vor allem darum, gefährliche Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden. Von den Bombardements der Alliierten in der Zeit von 1940 bis 1945 waren die für die Nationalsozialisten kriegswichtigen Bahnanlagen in Berlin besonders betroffen. „Bisher haben wir erfreulicherweise noch nichts gefunden“, berichtet Technik-Chef Kühn.

Der Einsatz seines Spezialisten-Teams ist zwar keine Millimeter-, wohl aber eine Meter-Arbeit. Denn meterweise wird der sogenannte Liner mit bis zu 100 Schlägen pro Arbeitsgang in den Boden geschlagen. Dieser besteht zwar zu großen Teilen aus dem sprichwörtlichen brandenburgischen Streusand, aber nicht nur. „Wir stoßen auch viel auf Mergel, was gut ist. Denn für die künftigen Bauwerke brauchen wir einen tragfähigen Untergrund“, sagt Geräteführer Sebastian Vogel, der den „ROTOMAX XL B“ an einer Art Schaltpult steuert. Ist die vorgegebene Tiefe erreicht, wird der Liner wieder nach oben gezogen. In seinem Inneren befindet sich eine Kunststoffröhre, in der sich der ausgestanzte Boden befindet. Im nächsten Schritt werden die Kartuschen unter anderem mit genauen Angaben über die erreichte Bodentiefe und die notwendige Zahl von Schlägen beschriftet, die für die Bohrung erforderlich waren. „Letzteres gibt dem Bodengutachter Hinweise über die Bodendichte in diesem Bereich“, so Tiefbau-Experte Christian Kühn. Der Zeitaufwand für die Erkundungsverfahren ist unterschiedlich: Während eine Sondierung mit kleinerem Gerät (Tiefe acht bis zwölf Meter) in der Regel nur wenige Stunden dauert, wird für eine Großbohrung (Tiefe bis zu 25 Meter) ein Zeitaufwand von einer Woche pro Bohrung veranschlagt. Nach den Arbeiten Anfang August in Höhe des S-Bahnhofs Schöneberg soll es anschließend im Bereich Gleisdreieck weitergehen. „Dort sind insgesamt vier Bohrungen geplant“, sagt Christian Kühn von der Engelmann Brunnenbau GmbH.

Die am 22. September 1836 eröffnete „Potsdamer Stammbahn“ ist nicht nur die erste Eisenbahnstrecke im damaligen Preußen, sie gehört auch zu den ältesten Schienenverbindungen in Deutschland überhaupt. Entlang der Strecke entstanden zahlreiche Wohngebiete, die Stadt wuchs damit weiter in Richtung Südwesten. Mit der Entstehung der Viertel wurden auch neue Stationen gebaut. Der Botanische Garten, der in Berlin-Lichterfelde nach dem Vorbild englischer Gärten angelegt wurde, erhielt zum Beispiel 1909 eine eigene Station. Der Niedergang der Potsdamer Stammbahn begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Erst wurde ein Großteil der Schienen und Bahnanlagen im Auftrag der Roten Armee als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 konnten Fahrgäste aus dem brandenburgischen Umland die Strecke dann nicht mehr erreichen. Im Zuge des „S-Bahn-Streiks“ wurde schließlich am 18. September 1980, nach 142 Jahren, auf dem in Berlin verbliebenen Abschnitt der Potsdamer Stammbahn der Fahrgastbetrieb vollends eingestellt (Anhalter Bahnhof – Berlin-Zehlendorf, Berlin-Zehlendorf – Düppel). Nach mehr als vierjähriger Unterbrechung wurde am 1. Februar 1985 auf dem Stammbahn-Abschnitt zwischen Anhalter Bahnhof und Berlin-Zehlendorf der S-Bahn-Betrieb durch die Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) wieder aufgenommen, seit 1994 nimmt die S-Bahn Berlin dort die Betriebsführung wahr.

Das Ziel des i2030-Korridors Potsdamer Stammbahn+ ist der Wiederaufbau der Trasse zwischen Griebnitzsee und Berlin Potsdamer Platz (ca. 21 Kilometer) als zweigleisige, elektrifizierte Regionalverkehrsstrecke. Untersucht werden sollen an der Strecke Verkehrsstationen in Dreilinden (Europarc), Düppel-Kleinmachnow, Zehlendorf, Rathaus Steglitz und Schöneberg. Ein zweites Teilprojekt sieht auf dem südöstlichen Berliner Innenring den Ausbau des Abschnitts zwischen Schöneberg und Ostkreuz (ca. 10 Kilometer) als zweigleisige, elektrifizierte Regionalverkehrsstrecke vor. Haltepunkte für Regionalzüge werden an dieser Strecke in Südkreuz und Hermannstraße bzw. Neukölln geprüft.

Die Vorplanung für die Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn wird nach Angaben der Bahn-Tochter DB InfraGO voraussichtlich bis 2027 abgeschlossen. Für die folgenden Planungsphasen  – Entwurfs- und Genehmigungsplanung – ist eine Finanzierungsvereinbarung unter Einbeziehung des Bundes erforderlich.  

Team NextStation

in Kooperation mit:

Unser Ansatz

Zukunftsstationen entstehen aus starken Partnerschaften

i2030 schafft die Voraussetzungen für mehr Schiene in Berlin und Brandenburg. Durch neue Strecken und Stationen verbessert sich die Mobilität in der Metropolregion.

Damit neue Stationen ihre Wirkung entfalten, braucht auch ihr Umfeld Aufmerksamkeit: Stadtentwicklung, Erschließung, Genehmigungen, Beteiligung und Mobilitätsangebote müssen parallel geplant werden.

Als Team NextStation entwickeln wir mit der TU Berlin und der DB mindbox neue Formen der Zusammenarbeit. So kommen alle relevanten Akteure frühzeitig zusammen und schaffen die Grundlage für lebenswerte, gut erreichbare Bahnhöfe.

Unser Anspruch 

Die Praxis

Gemeinsam planen.
Gemeinsam umsetzen. 
Unser Real-Labor: Düppel-Kleinmachnow

Die geplante Station Düppel–Kleinmachnow an der Potsdamer Stammbahn dient als Beispiel, um neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. Hier bearbeiten wir gemeinsam zentrale Fragestellungen:

  • Welche Flächen müssen gesichert werden?
  • Welche Verwaltungsentscheidungen sind erforderlich?
  • Wie greifen Infrastruktur und Stadtentwicklung ineinander?
  • Welche Anforderungen ergeben sich für das Bahnhofsumfeld?
  • Welche Perspektiven müssen berücksichtigt werden?

Gemeinsam mit Kommunen, Deutscher Bahn, Landesverwaltungen, Wissenschaft und weiteren Partnern entwickeln wir konkrete Arbeitspakete, koordinieren deren Umsetzung und dokumentieren die Erfahrungen.

Die Perspektive

Aus Erfahrungen wird Orientierung –
ein Leitfaden für zukünftige Bahnhofsentwicklungen.

Die Erfahrungen aus Team NextStation fließen Schritt für Schritt in einen Praxisleitfaden ein. Er unterstützt Kommunen und Projektpartner dabei, Bahnhofsumfelder frühzeitig gemeinsam zu entwickeln. 

Stakeholderübersicht Team NextStation
Foto: Berliner S-Bahn-Museum

Unser Anspruch 

Gemeinsam mit Kommunen, Deutscher Bahn, Landesverwaltungen, Wissenschaft und weiteren Partnern entwickeln wir konkrete Arbeitspakete, koordinieren deren Umsetzung und dokumentieren die Erfahrungen.

Projektfortschritt

Was bewegt Team NextStation gerade?

Von Workshops über konkrete Arbeitspakete bis zu neuen Erkenntnissen: Begleiten Sie den Arbeitsprozess in Düppel-Kleinmachnow und erfahren Sie, was das Projekt aktuell bewegt und welche nächsten Schritte anstehen.

18. & 22.-25 SEPTEMBER

Treffpunkt

Treffen am Tag der Schiene und auf der InnoTrans

Team NextStation bleibt dran! Die Arbeit geht weiter mit der Fortsetzung des Stakeholder-Dialogs, der Vertiefung aktueller Arbeitspakete und der Dokumentation wichtiger Erfahrungen und Erkenntnisse. Gleichzeitig werden neue Beteiligungs- und Arbeitsformate für das kommende Semester vorbereitet.

Wer das Team persönlich treffen möchte, hat dazu am 18.09 im Rahmen vom Tag der Schiene auf dem BahnTechnologie Campus Havelland und vom 22. – 25.09 auf der InnoTrans 2026 die Gelegenheit.

12. MAI 2026

Workshop

Work and Pizza

Im Rahmen des TeamNextStation fand eine sehr lebendige „Work & Pizza“-Session mit dem Thema Anforderungen an Bahnhaltestelle statt.

Organisiert von Prof. Dr.-Ing. Birgit Milius (TU Berlin) und zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern konnte sich weiter Mitglieder des TeamNextStation anhand von Steckbriefen in unterschiedlichste Nutzergruppen von Regionalbahnhaltestellen hineinversetzen. Ziel war es, die unterschiedlichen Herausforderungen und Anforderungen zu ermitteln und Gemeinsamkeiten bei den Nutzenden herauszuarbeiten.
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Work and Pizza

27. FEBRUAR 2026

Workshop

i2030-Aktionstag zur Gestaltung von Zukunftsstationen

Dieser Auftaktworkshop brachte die Gruppe zuerst auf einen gemeinsamen Wissenstand und nach einer Einordnung von Teamrollen wurden die nächsten aktiven Schritte vereinbart.
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Baustart für Siemensbahn rückt näher

Start der Sanierungsarbeiten am Stahlviadukt beim i2030-Projekt Siemensbahn, Foto VBB GmbH, Stapf

Baustart für Siemensbahn rückt näher: Sanierung des Stahlviadukts startet

29. Juni 2026

Die Reaktivierung der Siemensbahn nimmt Formen an. Am Montag begannen erste Arbeiten. Dabei geht es zunächst um die Sanierung des
Stahlviadukts. Das symbolische Startsignal hierfür gaben am Vormittag DB-Konzernbevollmächtigter Alexander Kaczmarek, Verkehrssenatorin Ute Bonde, VBB-Chef Christoph Heuing und Spandaus Bezirksstadtrat Thorsten Schatz.

Die ersten Arbeiten laufen auf einem Testfeld, an dem zentrale Verfahren für die Instandsetzung des Stahlviadukts untersucht werden. Das denkmalgeschützte Viadukt stammt aus dem Jahr 1928 und besteht aus insgesamt 71 Einzelbauwerken.

Nach jahrzehntelanger Stilllegung gibt es umfangreiche Schäden. Dazu zählen Verformungen, Korrosionsschäden, beschädigte Lager sowie Defizite bei Entwässerung und Tragwerk. Die gesammelten Erkenntnisse im Testfeld sind Grundlage für den anschließenden Bauablauf des Gesamtprojekts.
Im Zuge der Ertüchtigung des Stahlviadukts bleibt ein Großteil der historischen Substanz erhalten und wird denkmalgerecht instandgesetzt. Die bestehenden Unterbauten werden weitgehend weitergenutzt. Gleichzeitig wird die Strecke für einen modernen Bahnbetrieb hergerichtet – mit zwei Gleisen und zeitgemäßer technischer Ausstattung.

Alexander Kaczmarek, DB-Konzernbevollmächtigter: „Nun geht es los. Mit der Siemensbahn binden wir Siemensstadt und Spandau direkt an den Berliner S-Bahnring an. Das schafft nachhaltige Mobilität. Das heutige Startsignal zeigt, dass wir die Reaktivierung der rund 4,5-Kilometer langen Strecke engagiert vorantreiben.“

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Die Siemensbahn kehrt zurück – und mit ihr eine direkte  Schienenverbindung für ein Stadtquartier, das Arbeiten, Forschen und Wohnen neu zusammendenkt. Das denkmalgeschützte Viadukt wird sorgfältig saniert und gleichzeitig für einen modernen Bahnbetrieb hergerichtet. Was heute hier beginnt, ist der erste sichtbare Schritt zu einer der bedeutendsten Streckenreaktivierungen der Stadt seit Jahrzehnten.”

Christoph Heuing, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg: „Städtebau und ÖPNV-Ausbau greifen an diesem Ort vorbildlich ineinander. Während nebenan der neue Wohn- und Innovationsstandort Siemensstadt Square entsteht, startet hier am Viadukt ein neuer Meilenstein im Projekt i2030 für die Reaktivierung der Siemensbahn. Perfekt für die Menschen, die dann eine S-Bahnanbindung im 10-Minuten-Takt u.a. zur Ringbahn und zum Hauptbahnhof bekommen.”

Thorsten Schatz, Bezirksstadtrat Spandau, Abteilung Bauen, Planen, Umwelt-und Naturschutz: „Die Reaktivierung der Siemensbahn ist ein Glücksfall für Spandau. Sie verbessert die Mobilität, stärkt den Zukunftsstandort Siemensstadt und bringt eine traditionsreiche Strecke zurück ins Berliner S-Bahn-Netz. Mit dem heutigen Baustart wird sichtbar: Die Siemensbahn kommt zurück. Darauf haben viele Menschen in unserem Bezirk lange gewartet.“

Die Reaktivierung der Siemensbahn bewegt auch die Schülerinnen und Schüler im Bezirk. So gibt es am Dienstag, 30. Juni, an der Spandauer Robert-Reinick-Grundschule einen Projekttag zur Siemensbahn. Die Schüler treffen sich dazu am Vormittag an der Eisenbahnüberführung am Rohrdamm 82. Anschließend begeben sich die Kinder auf eine Zeitreise an einem scheinbar verlorenen Ort. Sie schauen sich um und halten fotografisch fest, was sie sehen. Vor langer Zeit kamen und gingen hier Menschen. Sie stiegen ein, sie fuhren ab, sie kamen an und gingen nach Hause. Wie sahen sie aus? Wo gingen sie hin? Wer waren sie? Das soll an diesem Tag erarbeitet werden.

Mehr Kapazität für den RE1 – ODEG stellt neuen Desiro HC 8-Teiler vor

v.l.n.r.: Lars Gehrke, Geschäftsführer der ODEG; Christoph Heuing, Geschäftsführer des VBB; Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin; Robert Crumbach, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg; Stefan Neubert, Geschäftsführer der ODEG; Evelyn Gollasch, DB InfraGO AG / i2030, Foto: ODEG

Mehr Kapazität für den RE1 – ODEG stellt neuen Desiro HC 8-Teiler vor

20. Mai 2026

Längere Züge und ausgebaute Bahnsteige erhöhen die Leistungsfähigkeit des Regionalverkehrs in der Hauptstadtregion.

Die ODEG – Ostdeutsche Eisenbahn GmbH hat heute gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Aufgabenträgern und Partnern die nächste Entwicklungsstufe im Netz Elbe-Spree vorgestellt: den neuen Desiro HC 8-Teiler für die Linie RE1. Im Rahmen einer Sonderfahrt ab Potsdam Hauptbahnhof nach Brandenburg an der Havel und zurück konnten geladene Gäste sowie Medienvertreterinnen und Medienvertreter das neue Kapazitätskonzept erstmals erleben.

Zwei 4-teilige Desiro HC fahren künftig in Doppeltraktion als rund 210 Meter langer 8-Teiler und schaffen damit deutlich mehr Platz für die Fahrgäste zwischen Brandenburg an der Havel, Berlin und Frankfurt (Oder). Der neue Zugverband verfügt über rund 800 Sitzplätze und bietet damit über 30 Prozent mehr Kapazität auf einer der wichtigsten Regionalexpress-Linien Deutschlands. Künftig können somit in den Hauptverkehrszeiten zwei von drei stündlichen Fahrten des RE1 mit den kapazitätsstarken Zügen ausgestattet werden.

Die Kapazitätserweiterung erfolgt im Rahmen des Verkehrsvertrags „Netz Elbe-Spree“. Dafür werden bestehende 6-teilige Desiro-HC-Fahrzeuge zu 4-teiligen Einheiten umgebaut, die anschließend in Doppeltraktion verkehren können. Insgesamt entstehen aus sieben 6-Teilern künftig 14 vierteilige Fahrzeuge. Gleichzeitig zeigt das Projekt das enge Zusammenspiel aus Verkehrsvertrag, moderner Fahrzeugtechnik, Betrieb und Infrastruktur-Ausbau.

Mit an Bord waren unter anderem Robert Crumbach, seit März amtierender Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin, sowie Christoph Heuing, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. ODEG-Geschäftsführer Lars Gehrke steuerte den Sonderzug persönlich. Gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem VBB zeigte die ODEG, wie moderne Fahrzeuge und leistungsfähige Infrastruktur zusammenwirken, um den Regionalverkehr in der Hauptstadtregion weiter zu stärken.

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin: „Für viele Berlinerinnen und Berliner sowie Pendlerinnen und Pendler aus Brandenburg ist der RE1 ein fester Bestandteil des Alltags. Mehr Platz und Komfort machen den öffentlichen Verkehr attraktiver. Der 8-Teiler ist deshalb ein Gewinn für die Fahrgäste und ein starkes Signal für klimafreundliche Mobilität in der Hauptstadtregion.“

Robert Crumbach, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg: „Der RE1 ist eine der wichtigsten Bahnlinien in Brandenburg und die zentrale Ost-West-Verbindung durch die Hauptstadtregion. Die steigende Nachfrage auch auf dem RE1 zeigt, wie stark die Hauptstadtregion weiterhin wächst. Mit längeren Zügen mit rund 800 Sitzplätzen schaffen wir mehr Kapazität auf der meistgenutzten Linie im Land, flankiert durch die Infrastrukturmaßnahmen an den Verkehrsstationen im Rahmen von i2030. Die erheblichen Investitionen in die Kapazitätserhöhung des RE1 sind ein wichtiger Baustein für einen leistungsfähigeren Regionalverkehr.“

Christoph Heuing, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB): „Die Entwicklung auf dem RE1 zeigt, wie wichtig zusätzliche Kapazitäten und abgestimmte Planung im Regionalverkehr sind. Mit dem Desiro HC 8-Teiler reagieren Länder, ODEG und VBB gemeinsam auf die stark wachsende Nachfrage, kombiniert mit den Bahnsteigverlängerungen im Projekt i2030. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Fahrzeugkonzept, Infrastruktur und Betrieb – damit mehr Leistung zuverlässig bei den Fahrgästen ankommt.“

4+4 = Mehr Platz

Der RE1 zählt zu den zentralen Regionalexpress-Verbindungen in Berlin und Brandenburg. Die Nachfrage auf der Linie ist hoch – entsprechend groß ist der Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten. Mit dem neuen Desiro HC 8-Teiler wird genau darauf reagiert: Zwei 4-teilige Fahrzeuge werden zu einem längeren Zugverband kombiniert und bieten dadurch rund 800 Sitzplätze.

„Die Nachfrage auf dem RE1 wächst – und wir als ODEG wachsen mit“, sagt Lars Gehrke, Geschäftsführer der ODEG. „Mit den vielen Doppeltraktionen als 8-Teiler und dem hohen Takt, haben wir betrieblich und instandhaltungstechnisch große Herausforderungen zu meistern. Aber genau das ist unser Anspruch: zuverlässig mehr Kapazität auf die Schiene zu bringen. Ich fahre die modernen Triebfahrzeuge auch, kenne also die spitzen Fahrzeuge nicht nur vom Schreibtisch, sondern auch aus dem Führerstand.“

Für die Fahrgäste bedeutet das vor allem mehr Raum, mehr Komfort und bessere Voraussetzungen für eine entspannte Fahrt im Berufs-, Freizeit- und Ausflugsverkehr. Die Sonderfahrt von Potsdam Hauptbahnhof nach Brandenburg an der Havel und zurück machte erlebbar, welche Rolle längere Züge künftig auf dem RE1 spielen können. Während der Fahrt informierten ODEG, VBB und die beteiligten Partner über das Fahrzeug, die Kapazitätserweiterung und den weiteren Ausbau im Netz Elbe-Spree. In der 1. Klasse fanden Pressestatements, Hintergrundgespräche sowie der Austausch mit Politik, VBB und ODEG statt.

Moderne Fahrzeuge brauchen passende Infrastruktur

Damit die künftig bis zu 210 Meter langen Züge zwischen Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) eingesetzt werden können, werden im Rahmen des Infrastrukturprojekts i2030 die Bahnsteige an mehreren Stationen verlängert. Dazu zählen unter anderem Götz, Groß Kreutz, Potsdam Park Sanssouci, Hangelsberg, Berkenbrück, Briesen (Mark), Jacobsdorf (Mark), Pillgram und Ziltendorf.

Die heutige Fahrt zeigte damit auch: Mehr Kapazität auf der Schiene entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenwirken von Fahrzeugen, Infrastruktur, Betrieb und abgestimmter Planung.

Bereits seit Dezember 2025 ermöglicht ein Übergangsfahrplan den schrittweisen Einsatz der umgebauten Fahrzeuge. Seither werden unter anderem Potsdam Park Sanssouci und Potsdam Charlottenhof von den längeren Zügen bedient.

Die Umbauten der Fahrzeuge erfolgen bei Siemens Mobility im Prüf- und Validierungscenter Wegberg-Wildenrath. Der Umbau eines Fahrzeugs dauert rund vier Wochen. Der Abschluss des letzten Umbaus ist für August 2026 vorgesehen.

Der neue 8-Teiler steht damit sinnbildlich für die Weiterentwicklung des Regionalverkehrs in der Hauptstadtregion. Er schafft mehr Platz dort, wo die Nachfrage besonders hoch ist, und stärkt den Schienenverkehr als attraktive Alternative zum Auto. Für die ODEG ist die Vorstellung des neuen Zugverbands ein weiterer Schritt, um den wachsenden Mobilitätsbedürfnissen zwischen Brandenburg und Berlin gerecht zu werden.

„Der heutige Tag ist eine klare Weichenstellung“, so Stefan Neubert, Geschäftsführer der ODEG. „Mehr Kapazität, Komfort und Qualität im Regionalverkehr sind entscheidend, damit noch mehr Menschen auf die Schiene umsteigen. Das ‚Mehr‘ bedeutet auch mehr Verantwortung – für unsere Fahrgäste und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Verantwortung stellen wir uns: mit starkem Teamgeist, hoher Einsatzbereitschaft und dem klaren Anspruch, den Fahrgästen Tag für Tag ein verlässliches Angebot zu machen.“

Im Jahr 2025 nutzten rund 23,81 Millionen Fahrgäste den RE1. Nach Fertigstellung der Bahnsteigverlängerungen können auf der Linie perspektivisch jährlich rund 28,41 Millionen Fahrgäste befördert werden.

Die heutige Sonderfahrt wurde begleitet von Vertreter/-innen aus Politik, Verkehrsbranche und Eisenbahnwirtschaft, darunter:

    • Ute Bonde,
      Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin
    • Robert Crumbach,
      Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg
    • Christoph Heuing,
      Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB)
    • Lars Gehrke und Stefan Neubert,
      Geschäftsführer der ODEG

Weitere Informationen zum Projekt sowie ein Erklärfilm zum Umbau der Fahrzeuge finden Interessierte auf der Landingpage: 4+4=Mehr Platz: Website.

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